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N E W S L E T T E R

Leishmaniose

Die Leishmaniose ist die wohl bekannteste Mittelmeerkrankheit.

In Mitteleuropa wird die Leishmaniose als klassische tropenmedizinische Infektionskrankheit gesehen, obwohl das Verbreitungsgebiet der Sandmücke (Überträger) sich bereits in Richtung Norden ausdehnt.

Erreger und Übertragung

Die einzelligen Erreger der Leishmaniose (Leishmanien) können durch den Stich der Sandmücken der Gattung Phlebotomus übertragen werden. Durch andere Parasiten wie Zecken oder Flöhe ist eine Übertragung nicht möglich, ebenso wenig wie durch Speichel, Kot oder Urin eines infizierten Hundes.

Neben der Übertragung durch die Sandmücke ist auch eine Übertragung der Leishmanien über die Plazenta von der Mutter auf die Welpen möglich, erfolgt aber nicht zwingend.

In der Theorie wird auch die folgende Ansteckungsmöglichkeit diskutiert: Bei einem Leishmanioseausbruch kann es zu offenen Hautläsionen kommen, aus denen Sekret austritt, welches Leishmanien enthalten kann. Sobald das Sekret nach wenigen Minuten abgetrocknet ist, sterben auch die Leishmanien. Sollte das flüssige Sekret direkt in eine offene, blutende Hautwunde gelangen, bestände auf diesem Weg ein Infektionsrisiko. Dies ist ein theoretisches Risiko, ein nachgewiesener Fall dieser Infektionsform existiert nicht.

Durch den nächtlichen Stich der Sandmücke (der sehr schmerzhaft ist) werden die Leishmanien zunächst unter der Haut und dann über das Blut in weitere Organe (Milz, Leber, Knochenmark) verbreitet.

Symptome

Krankheitsanzeichen treten oft erst Wochen, Monate oder Jahre nach der Ansteckung auf. Die Symptome sind vielfältig und reichen von Hautrötungen und Haarausfall bis zu eitrigen Geschwüren, die nur schwer oder gar nicht heilen. Nasenbluten, unstillbarer Durchfall, allgemeine Apathie etc. runden das Bild ab. Es gibt aber keine typischen Symptome, die ausschließlich auf Leishmaniose deuten. Die Symptomatik der Leishmaniose ähnelt zum Teil auch der der anderen Mittelmeerkrankheiten, weshalb bei einem Verdacht auf Leishmaniose stets ein Test auf alle Mittelmeerkrankheiten erfolgen sollte. Auch Kreuzreaktionen sind möglich, die einen Nachtest zu einem späteren Zeitpunkt erforderlich machen.

In Europa findet man fast nur die viscerale Form der Leishmaniose, die äußeren Veränderungen sind stets sekundär, immer sind auch die inneren Organe mehr oder weniger stark betroffen.

Eine Blutuntersuchung in Verbindung mit einem "Großen Blutbild" (wichtigste Faktoren Niere, Leber, Albumin, Globulin, Bluteiweiß) gibt Aufschluss über die Schwere der Erkrankung.

In vielen Fällen, besonders bei ansonsten gesunden Hunden, kommt es auch nie zum Ausbruch der Krankheit.

Unsere Hunde werden alle vor ihrer Ausreise auf Leishmaniose getestet. Ein erneuter Test ist nach wissenschaftlichen Erkenntnissen (Empfehlung des Leishmaniose-Kongresses) frühestens 4-6 Monate nach Ankunft des Tieres in Deutschland zu empfehlen. Frühere Untersuchungen zeigen keine realistischen Ergebnisse, da durch die Umgewöhnung der Tiere an Klima, Futter etc. und Stress, durch Kastration und Impfungen das Immunsystem zu strapaziert ist und dadurch ein falsches Testergebnis erzielt werden kann. Bei Welpen ist noch kein eindeutiges Testergebnis möglich, da sie noch die Antikörper der Mutter in sich tragen können, ohne selbst jemals mit einem Erreger in Berührung gekommen zu sein. Ein erneuter Test im Alter von 1 Jahr liefert verlässliche Ergebnisse.

Therapie

Leishmaniose ist nach derzeitigem Wissensstand nicht heilbar. Sie ist jedoch behandelbar. Ziel der Therapie ist also nicht die Beseitigung des Erregers, sondern soweit von außen Einfluss auf die Leishmanien zu nehmen, dass das Immunsystem des Hundes selbst den Erreger bekämpfen kann und der Gesundheitszustand stabil ist.

Eine eventuell notwendige Leishmaniosetherapie ist nur dann erfolgreich, wenn keine andere (parasitäre) Infektion vorliegt. Ausgeschlossen werden muss VOR einer Diagnose und Therapie eine Ehrlichiose, Babesiose, Borreliose, Dirofilariose und der Hund muss entwurmt sein. Sollte eine andere parasitäre Infektion vorliegen, muss zunächst diese ausbehandelt werden, bevor mit der Leishmaniosetherapie begonnen werden kann.

Kein Hund muss an Leishmaniose sterben, wenn sie rechtzeitig erkannt und behandelt wird und ein erkrankter Hund ist auch keine Gefahr für andere Hunde oder Menschen. Leishmaniose ist kein harmloser Schnupfen, aber sie muss auch kein Todesurteil sein - wenn richtig diagnostiziert und therapiert wird.

Aufgrund der nach wie vor verhältnismäßigen Seltenheit der Krankheit in Deutschland ist das Wissen vieler Tierärzte hierzulande leider vorwiegend theoretisch. Viele Tierärzte reagieren nicht richtig, raten zu extremen, nebenwirkungsintensiven Behandlungen mit dem Chemotherapeutikum Glucantime. Kein Hund muss mit derartig gefährlichen Medikamenten behandelt werden, nur weil er positiv auf Leishmaniose testet, wenn er ansonsten putzmunter ist. Ein positiver Titer ist eine wichtige Information für den Halter des Hundes, ein wachsames Auge auf seinen Schützling zu haben, um bei Verschlechterung des Gesundheitszustands unterstützend eingreifen zu können. Ein positiver Titer rechtfertigt keine Chemotherapie!

Allopurinol ist das bekannteste und auch nebenwirkungsärmste Medikament zur Leishmaniosetherapie. Es wirkt wachstumshemmend auf die Leishmanien und drängt sie aus Knochenmark und Organen ins Bindegewebe ab, wo sie keinen Schaden anrichten können. Gleichzeitig ist es ein recht günstiges Medikament und wird im Allgemeinen gut vertragen. Nebenwirkungen können Nieren- und Leberbelastung und Blutbildungsstörungen sein. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind unerlässlich, um über die weitere Therapie oder das Aussetzen des Medikaments entscheiden zu können.

Die Aufnahme eines Leishmaniose-positiven Hundes ist mit besonderer Verantwortung verbunden. Der Gesundheitszustand des Hundes muss aufmerksam beobachtet werden - das gilt aber an sich für jeden Hund, um bei neu auftretenden Krankheiten oder Verschlechterungen möglichst rasch reagieren zu können. Von großer Wichtigkeit ist ein Tierarzt an Ihrer Seite, der sich mit Leishmaniose auskennt und Ihnen und Ihrem Hund kompetent helfen kann. Gern helfen wir bei der Suche nach einem solchen Tierarzt und empfehlen Ihnen gute Tierärzte in Ihrer Nähe.

Prophylaxe

Wenn Sie mit Ihrem Hund nach Spanien, Frankreich, Griechenland usw. verreisen möchten, schützen Sie ihn vor dem Stich der Sandmücke und damit vor einer möglichen Leishmanioseinfektion! Ein normaler Zeckenschutz (Frontline, Exspot etc.) ist NICHT ausreichend. Wirksamen Schutz bietet ein Scalibor-Halsband, welches Sie beim Tierarzt erhalten. Das Halsband benötigt eine gewisse Zeit, um seine volle Wirkung zu entfalten, legen Sie es Ihrem Hund daher mindestens 2 Wochen vor der Fahrt in den Süden an.

Abschließende Bemerkung

Oft wird man, möglicherweise auch von tierärztlicher Seite, dafür kritisiert, Hunde aus dem Süden nach Deutschland zu importieren. Sie würden gefährliche und exotische Krankheiten einschleppen und unseren heimischen Hunden (und Menschen) gefährlich werden. Warum eine derartig allgemeine Aussage zu unreflektiert ist, veranschaulicht die folgende Powerpoint-Präsentation.

Im Mittelmeerraum sind auch viele Menschen mit Leishmaniose infiziert (in bestimmten Regionen Spaniens bis zu 50% der Bevölkerung). Unzählige deutsche Touristen kommen jedes Jahr Leishmaniose-positiv aus dem Spanien- oder Frankreichurlaub zurück, ohne es zu wissen, und werden, wenn die Sandmücke in Deutschland erst einmal heimisch geworden ist, für deutsche Hunde und Menschen ebenso "gefährlich" wie Hunde aus dem Mittelmeerraum - ohne dass darüber diskutiert würde, ob man ihnen die Einreise nach Deutschland verwehren sollte. (Bei 8,8 Millionen deutschen Spanienurlaubern im Jahre 2010 scheint es mehr als wahrscheinlich, dass eine beachtliche Anzahl deutscher Bürger bereits Leishmaniose-positiv ist.) Während die in Europa vorkommenden Leishmanienstämme jedoch für Menschen nur in Ausnahmefällen (z. B. bei einer HIV-Infektion) gefährlich werden, können sie für Hunde unbehandelt lebensbedrohlich werden.

Bis die Sandmücken sich in Deutschland verbreitet haben und in unserem Klima lange genug überleben können, um den Leishmanien Zeit zur Entwicklung zu geben, gilt: Wo keine Sandmücke, da auch kein Infektionsrisiko.

Wir beraten und informieren Sie jederzeit gern über das Thema Leishmaniose, Risiken und Therapiemöglichkeiten.