Mittelmeerkrankheiten

Bevor ein erwachsener Hund aus Berga nach Deutschland reist, wird er tierärztlich untersucht. Er wird nicht nur geimpft, gechipt und kastriert, sondern auch auf alle sogenannten "Mittelmeerkrankheiten" getestet. Die Mittelmeerkrankheiten sind parasitäre Erkrankungen, die in Nordeuropa nicht heimisch sind - oder heimisch waren, da sich die Ausbreitung der krankheitsübertragenden Parasiten durch den Klimawandel mehr und mehr nach Norden erweiterte. Trotzdem gelten diese Krankheiten nach wie vor als exotisch, weshalb sie vielen deutschen Tierärzten zwar in der Theorie bekannt, in Symptomatik und Therapie jedoch nicht vertraut sind. Das wiederum kann zu Fehldiagnosen und falschen Behandlungen führen.

Wenn Sie einem Hund aus dem Mittelmeerraum ein Zuhause oder einen Pflegeplatz geben möchten, sind ein paar grundlegende Informationen über diese Krankheiten unabdingbar, auch wenn es sich um einen Hund handelt, der auf alle Krankheiten negativ getestet wurde. Die Tests stellen letztlich eine Momentaufnahme dar: Wenn der Hund einen Tag vor dem Test von einer infizierten Mücke gestochen oder Zecke gebissen wurde, wird das Testergebnis negativ sein. Es ist daher notwendig, den Hund etwa 8-10 Monate nach der Adoption oder Inpflegenahme noch einmal nachzutesten, um ganz sicher zu gehen (oder rechtzeitig reagieren zu können, falls eine Erkrankung vorliegt).

Hunde aus dem süden sind aber nicht per se krank!

Wir testen unsere Hunde gewissenhaft. Wir würden niemals ein Tier, das an einer Krankheit leidet oder andere gesundheitliche Probleme hat, wissentlich in eine ahnungslose Familie vermitteln. Dies geschieht aus Gründen der Fairness gegenüber den Adoptanten, vor allem aber gegenüber dem Hund selbst. Die Entscheidung zur Aufnahme eines Tieres muss immer unter Kenntnis der Vorgeschichte, möglicher Vorbelastungen und Risiken erfolgen können. Uns liegt nichts daran, ein Tier möglichst schnell zu vermitteln, mit dessen seelischen oder gesundheitlichen Vorbelastungen seine neue Familie dann überfordert wäre. Wir wünschen uns ein endgültiges, lebenslanges, glückliches Zuhause für unsere Schützlinge.

Wir können keine lebenslange Gesundheitsgarantie für einen Hund oder eine Katze geben, die im Tierheim auf alle Erkrankungen negativ getestet und vom Tierarzt für gesund erklärt wurden. Jedes Tier, ob vom Züchter oder aus dem Tierheim, kann im Laufe seines Lebens erkranken und das nicht nur an den sogenannten Mittelmeerkrankheiten.

Zu den Mittelmeerkrankheiten gehören:

Leishmaniose

Erreger und Übertragung

Die einzelligen Erreger der Leishmaniose (Leishmanien) können durch den Stich der Sandmücken der Gattung Phlebotomus übertragen werden. Neben der Übertragung durch die Sandmücke ist auch eine Übertragung der Leishmanien über die Plazenta von der Mutter auf die Welpen möglich, erfolgt aber nicht zwingend.

Symptome

Krankheitsanzeichen treten oft erst Wochen, Monate oder Jahre nach der Ansteckung auf. Die Symptome sind vielfältig und reichen von Hautrötungen und Haarausfall bis zu eitrigen Geschwüren, die nur schwer oder gar nicht heilen. Nasenbluten, unstillbarer Durchfall, allgemeine Apathie etc. runden das Bild ab. Anzeichen für Leishmaniose können auch Leistungsschwäche und ausgefranste, schuppige Ohrränder (gleiches um die Nase, Augen) sein. Es gibt aber keine typischen Symptome, die ausschließlich auf Leishmaniose deuten. Die Symptomatik der Leishmaniose ähnelt zum Teil auch anderen Mittelmeerkrankheiten, weshalb bei einem Verdacht auf Leishmaniose stets ein Test auf alle Mittelmeerkrankheiten erfolgen sollte. Auch Kreuzreaktionen sind möglich, die einen Nachtest erforderlich machen.

In Europa findet man fast nur die viscerale Form der Leishmaniose. Die äußeren Veränderungen sind stets sekundär, vermehrt sind die inneren Organe betroffen. Eine Blutuntersuchung in Verbindung mit einem "Großen Blutbild" (wichtigste Faktoren Niere, Leber, Albumin, Globulin, Bluteiweiß) gibt Aufschluss über die Schwere der Erkrankung. Unsere Hunde werden vor ihrer Ausreise auf Leishmaniose getestet. Ein erneuter Test ist nach tierärztlichen Erkenntnissen 8-10 Monate nach Ankunft des Tieres in Deutschland zu empfehlen. 

In vielen Fällen, besonders bei ansonsten gesunden Hunden, kann es sein, dass die Krankheit gar nie ausbricht.

Therapie

Leishmaniose ist nach derzeitigem Wissensstand nicht heilbar. Sie ist jedoch behandelbar. Ziel der Therapie ist also nicht die Beseitigung des Erregers, sondern Einfluss auf die Leishmanien zu nehmen, dass das Immunsystem des Hundes den Erreger selbst bekämpfen kann und der Gesundheitszustand stabil bleibt.

Eine eventuell notwendige Leishmaniosetherapie ist nur dann erfolgreich, wenn keine andere (parasitäre) Infektion vorliegt. Ausgeschlossen werden muss vor einer Diagnose und Therapie eine Ehrlichiose, Babesiose, Borreliose, Dirofilariose und der Hund muss entwurmt sein. Sollte eine andere parasitäre Infektion vorliegen, muss zunächst diese ausbehandelt werden, bevor mit der Leishmaniosetherapie begonnen werden kann.

Kein Hund muss an Leishmaniose sterben, wenn sie rechtzeitig erkannt und behandelt wird und ein erkrankter Hund ist auch keine Gefahr für andere Hunde oder Menschen. Leishmaniose ist kein harmloser Schnupfen, aber sie muss auch kein Todesurteil sein - wenn richtig diagnostiziert und therapiert wird.

Aufgrund der nach wie vor verhältnismäßigen Seltenheit der Krankheit in Deutschland ist das Wissen vieler Tierärzte hierzulande leider vorwiegend theoretisch. Viele Tierärzte reagieren nicht richtig, raten zu extremen, nebenwirkungsintensiven Behandlungen mit dem Chemotherapeutikum Glucantime. Kein Hund muss mit derartig gefährlichen Medikamenten behandelt werden, nur weil er positiv auf Leishmaniose getestet wurde. Ein positiver Titer ist eine wichtige Information für den Halter des Hundes, ein wachsames Auge auf seinen Schützling zu haben, um bei Verschlechterung des Gesundheitszustands unterstützend eingreifen zu können. Ein positiver Titer rechtfertigt keine Chemotherapie!

Allopurinol ist das bekannteste und auch nebenwirkungs-ärmste Medikament zur Leishmaniosetherapie. Es wirkt wachstumshemmend auf die Leishmanien und drängt sie aus Knochenmark und Organen ins Bindegewebe ab, wo sie keinen Schaden anrichten können. Gleichzeitig ist es ein recht günstiges Medikament und wird im Allgemeinen gut vertragen.

Die Aufnahme eines Leishmaniose-positiven Hundes ist mit besonderer Verantwortung verbunden. Der Gesundheitszustand des Hundes muss aufmerksam beobachtet werden - das gilt aber an sich für jeden Hund, um bei neu auftretenden Krankheiten oder Verschlechterungen möglichst rasch reagieren zu können. Von großer Wichtigkeit ist ein Tierarzt an Ihrer Seite, der sich mit Leishmaniose auskennt und Ihnen und Ihrem Hund kompetent helfen kann. Gern helfen wir bei der Suche nach einem solchen Tierarzt und empfehlen Ihnen gute Tierärzte in Ihrer Nähe.

Prophylaxe

Wenn Sie mit Ihrem Hund nach Spanien, Frankreich, Griechenland usw. verreisen möchten, können Sie ihn vor dem Stich der Sandmücke und damit vor einer möglichen Leishmanioseinfektion schützen. Wirksamen Schutz bietet ein Scalibor-Halsband, welches Sie beim Tierarzt erhalten. Das Halsband benötigt eine gewisse Zeit, um seine volle Wirkung zu entfalten, legen Sie es Ihrem Hund daher mindestens zwei Wochen vor der Fahrt in den Süden an.

Ehrlichiose

Erreger und Übertragung

Ehrlichien sind bakterienähnliche Erreger, die durch den Biss von Zecken übertragen werden. Im Mittelmeerraum findet man die Unterart Ehrlichia canis, in Deutschland, Schweden und Norwegen Ehrlichia phagocytophila.Bisher ist bei Hunden nur ein serologischer Nachweis (Antikörpertiter) bezüglich E. canis möglich. Damit ist aber (bei negativem Testergebnis) eine (heimische) Infektion durch E.phagocytophila noch nicht ausgeschlossen.

Einen deutlichen Hinweis auf eine Ehrlichiose überhaupt, unabhängig vom Erreger, liefert der ermittelte Blutwert für die Thrombozyten. Ist dieser Wert sehr niedrig oder grenzwertig, ist mit Ehrlichiose zu rechnen.

Symptome

Ehrlichien leben in den Blutzellen. Die Erkrankung verläuft 3-phasig.

1. Phase: Zunächst tritt hohes wiederkehrendes Fieber auf, der Hund erscheint matt, verweigert Futter, Erbrechen und Augenausfluss folgen. Vereinzelt treten Nasenbluten und punktförmige Schleimhautblutungen durch Rückgang der Thrombozyten auf.

2. Phase: Die Hunde erscheinen symptomlos, überstehen die Erkrankung oder entwickeln eine chronische Form, die

3. Phase: Hier besteht ständige Blutungsneigung. Zusätzlich zu den schon genannten Symptomen findet man Blut im Urin, Kot, Bluthusten und Hämatome an den Gelenken. Man beobachtet schwankenden Gang, Muskelzuckungen, Augenveränderungen, Milz- und Lymphknotenschwellungen, weiterhin Erbrechen, Leistungsschwäche, Fressunlust und fortschreitende Abmagerung. Da die Symptome in der 3. Phase denen der Leishmaniose ähneln, muss unbedingt eine Laboruntersuchung eingeleitet werden, um Sicherheit zu erlangen.

Therapie

Die Behandlung erfolgt durch Gabe eines Antibiotikums (Doxycyclinhyclat) über mindestens 21, besser 28 Tage. Ehrlichiose heilt, wenn sie rechtzeitig erkannt wird, vollständig aus.

Prophylaxe

Wirksamer Zeckenschutz, z.B. durch ein Scalibor-Halsband.

Abschließende Bemerkung

Unsere Hunde werden in Berga auf Ehrlichiose getestet. Eine Behandlung erfolgt in Spanien und wird auch dort abgeschlossen.

Achtung: Sollte Ihr Hund Anzeichen einer Ehrlichiose aufweisen, ein Erregernachweis aber negativ sein, sollte an eine Anaplasmose gedacht werden. Die Therapie ist identisch mit der der Ehrlichiose.

Dirofilariose (Herzwürmer)

Erreger und Übertragung

Herzwürmer bzw. deren Larven werden durch den Stich großer Stechmücken übertragen. Eine direkte Ansteckung von Hund zu Hund ist ausgeschlossen, da die Larven nur in der Mücke die Entwicklung von Larvenstadium 1 zum infektiösen Larvenstadium 3 durchlaufen können. Wird dann ein neuer Hund mit Larven des L3-Stadiums infiziert, entwickelt sich daraus innerhalb mehrerer Monate ein adulter Herzwurm, der neue Larven (L1) produziert. Damit aus diesen Larven ein erwachsener Herzwurm werden kann, braucht es wieder eine Mücke.

Symptome

Von der Einstichstelle wandern die Larven der Herzwürmer (Mikrofilarien) in die Muskulatur, dringen in die Blutbahn ein und gelangen so bis zum Herz. Es braucht mehrere Monate, bis im Hund aus einer Larve ein adulter Wurm wird. Die Würmer leben dann in den Blutgefäßen und können diese verstopfen, was akute Lebensgefahr für den Hund bedeuten kann. Die adulten Würmer (Makrofilarien) werden bis zu 30 cm lang und siedeln sich häufig in der rechten Herzkammer und in der von dort in die Lunge führende Arterie an. Es kommt zu Einschränkungen der Herzfunktion. Atemnot und chronischer Husten sind typische Symptome eines bereits immensen Herzwurmbefalls, der sofortiges Handeln fordert. Es existieren Tests für den Nachweis von Mikrofilarien und ein Labortest für Makrofilarien.

Therapie

Man muss zwischen der Therapie gegen Mikro- und Makrofilarien unterscheiden. Die Standardtherapie zur Abtötung der adulten Würmer erfolgt durch ein Arsen-Präparat (Immiticide). Die Behandlung ist nicht ungefährlich, da die abgestorbenen Würmer die Blutgefäße verstopfen und zum Tod des Hundes führen können. Der Hund sollte in der Zeit der Behandlung tierärztlich überwacht werden. Blutverdünnende Mittel (z. B. Aspirin) können das Risiko thrombotisch-embolischer Komplikationen senken. Es gibt auch neuere, risikoärmere Therapieansätze mittels längerfristiger Antibiotikagabe (Doxycyclinhyclat). Bitte fragen Sie hierzu Ihren Tierarzt.

Die Mikrofilarien werden über ein Spot-On-Präparat behandelt (Advocate).

Prophylaxe

Milbemax (oral) oder Advocate (Spot-on) bieten Schutz vor Mikrofilarien.

Abschließende Bemerkung

Unsere Hunde werden in Berga auf Filarienbefall getestet. Eine Behandlung erfolgt in Spanien und wird auch dort abgeschlossen. In Deutschland ist u.U. ein Nachtest erforderlich.

Babesiose

Erreger und Übertragung

Babesien sind Einzeller, die durch bestimmte Zeckenarten übertragen werden. Das Vorkommen beschränkt sich nicht auf den Mittelmeerraum, auch in Deutschland werden jährlich tausende Hunde infiziert.

Symptome

Die Babesien dringen in die roten Blutkörperchen ein und zerstören diese. Die Symptome sind je nach Krankheitsverlauf und -heftigkeit, unterschiedlich und deswegen für Tierärzte oft schwer zu diagnostizieren. Es kommt zu Blutarmut und oft auch zu Gelbsucht. Durch die Ausscheidung des abgebauten Blutfarbstoffes kommt es häufig auch zu einer dunklen Färbung des Urins. Hohes Fieber, Mattigkeit und Appetitlosigkeit folgen. Auch hier muss der Erreger durch einen Bluttest im Labor nachgewiesen werden.

Therapie

Ein Hund der positiv auf Babesien getestet wurde, muss SOFORT behandelt werden. Häufig kommt es durch den Babesienbefall zu Kreuzreaktionen und auch andere Titer sind erhöht. Das bedeutet nicht zwingend, dass der Hund mehrere Krankheiten auf einmal haben muss.
Babesiose ist, wenn sie rasch erkannt und behandelt wird, heilbar. Eine sofortige Behandlung mit Carbesia (erhältlich über eine internationale Apotheke) bringt schnelle Besserung des ernst zu nehmenden Zustands. Babesiose endet, rechtzeitig erkannt und behandelt, nicht tödlich und heilt aus.

Prophylaxe

Wirksamer Zeckenschutz, z. B. durch ein Scalibor-Halsband.

Abschließende Bemerkung

Unsere Hunde werden in Berga auf Babesien getestet. Eine Behandlung erfolgt in Spanien und wird auch dort abgeschlossen.

Borreliose

Erreger und Übertragung

Die Borreliose ist an sich keine Mittelmeerkrankheit, da sie bei uns in Deutschland ebenso vorkommt. Borrelien gehören zu den Bakterien. In Mitteleuropa überträgt der Gemeine Holzbock, Ixodes ricinus, die Borrelien. Sie leben im Darm der Zecke. Beißt eine infizierte Zecke einen Hund, dringen die Erreger etwa 24 Stunden nach dem Biss in den Hund ein. Eine Entfernung der Zecken innerhalb dieser Zeit verhindert eine Infektion!

Symptome

Es gibt keine typischen Symptome, was die Diagnose erheblich erschwert. Einzelne oder wiederkehrende Fieberschübe, Lethargie, Futterverweigerung, Lahmheiten und Lymphknotenschwellungen sind häufig. Auch Herzprobleme oder Nierenerkrankungen sind möglich. An eine Borreliose sollte immer auch gedacht werden, wenn bei einem Hund seit längerem wechselnde oder unklare Lahmheiten bestehen.

Therapie

Als Bakterien werden Borrelien mit Antibiotika behandelt.

Prophylaxe

Wirksamer Zeckenschutz, z. B. durch ein Scalibor-Halsband, sowie regelmäßige Zeckenkontrolle und möglichst rasche Entfernung der Zecken.

Abschließende Bemerkung

Unsere Hunde werden in Berga auf Borreliose getestet. Eine Behandlung erfolgt in Spanien und wird auch dort abgeschlossen.

Wir empfehlen keine Impfung gegen Borreliose.

Giardien
Giardien sind Einzeller, die hauptsächlich durch die Aufnahme von verunreinigtem Trinkwasser in den Wirtskörper gelangen. Wird aber auch durch Kot übertragen. Giardien kommen in ganz Europa vor, auch in Deutschland oder der Schweiz. Hartnäckiger, schleimig gelblicher (manchmal auch blutiger) Durchfall ist ein typisches Symptom. Auch starker Juckreiz kann auftreten, was oftmals zu Fehldiagnosen führt. Panacur ist das Mittel der Wahl. Entgegen der Empfehlung in der Packungsbeilage sollte bei starkem Befall die Behandlung über 5 Tage erfolgen, 3 Tage Pause, und dann nochmals 5 Tage.