Tierschutz in Spanien

Warum Tieren in Spanien helfen, wo wir selbst welche in den Heimen haben?

Das ist eine der Fragen, mit denen man im Auslandstierschutz am häufigsten konfrontiert wird.

  • Weil in Spanien auf die Hunde in den öffentlichen Tierheimen oft nach 3 Wochen der Tod wartet.
  • Weil in Spanien ein Tierleben viel weniger zählt.
  • Weil in Spanien die Chancen auf Adoption für einen erwachsenen Hund ungleich geringer sind und für einen älteren, möglicherweise gesundheitlich beeinträchtigten (und damit in der Versorgung teureren) Hund gegen Null gehen.
  • Weil Jagdhunde in Spanien nicht als Haustiere und Familienmitglieder, sondern als Arbeits- und Nutztiere angesehen und dementsprechend gehalten und behandelt werden.
  • Weil ein Leben und dessen Rettung gleich viel wert ist, egal ob es sich um ein deutsches oder spanisches handelt.

Das Tierheim Berga vermittelt viele seiner Schützlinge in Berga und Umgebung. Es gibt erwachsene Hunde und Katzen ausschließlich kastriert und mit Schutzvertrag in neue Hände. Ohne die Hilfe aus Deutschland würde das Tierheim trotzdem oft an seine Grenzen gelangen und es würde das Geld für die tierärztliche Behandlung der geretteten Hunde fehlen, sowie auch der Platz im Tierheim, wenn nicht regelmäßig einige Hunde die Chance auf ein neues Leben in Deutschland oder der Schweiz bekommen würden. Somit rettet die Hilfe aus unseren Ländern Leben, aber sie hilft  den Tierschützern vor Ort auch dabei, die Einstellung in der eigenen Bevölkerung langfristig zum besseren zu ändern und unsere Hilfe damit irgendwann einmal unnötig zu machen.

Das führt uns zur nächsten, viel gestellten Frage:

„Kann es denn die Lösung sein, die im Süden unerwünschten Hunde nach Deutschland zu holen, müssen wir das Problem nicht dauerhaft am Ort des Entstehens lösen?“

Diese Antwort ist ganz einfach: Nein, natürlich kann es auf Dauer nicht die Lösung sein, ein Tier aus einem europäischen Land ins Nächste zu bringen. So retten wir zwar einzelne Leben, was wunderbar ist, lösen aber nicht das grundsätzliche Problem der Einstellung in südlichen und östlichen Ländern gegenüber Tieren.

Langfristig muss sich die Situation vor Ort ändern. Es kann und darf keine Mentalität entstehen, dass einem fremde Menschen aus einem anderen Land die Verantwortung abnehmen und man sich deshalb nicht mehr selbst kümmern müsste. So etwas lehnen wir grundsätzlich ab. Deshalb unterstützen wir ganz gezielt das Tierheim und die Menschen in Berga. Ihnen gebührt unser tiefster Respekt für das, was sie allein und aus dem Nichts aufgebaut haben und was sie bereits vor Ort bewirken und verändern konnten. Auch wenn wir hin und wieder auch anderen Tierschützern (besonders aus dem Tierheim Jaca) helfen, konzentriert sich unsere Arbeit und Unterstützung auf unser Partnertierheim, weil wir nur auf diese Weise nachhaltig helfen können, vor Ort etwas zu verändern.

Viele, unzählige Hunde sind in Spanien in großer Not und werden täglich in den zahlreichen Perreras getötet. Man möchte ihnen allen helfen, was unmöglich ist. Wenn man heute einen Hund aus einer Tötungsstation und morgen einen Hund aus einem anderen Tierheim übernimmt, rettet man diese Tiere – aber was verändert sich dadurch vor Ort? Sofort rücken neue Tiere nach, die ebenso ein schönes Zuhause verdient und das Recht auf Leben haben, und denen man dann nicht mehr helfen kann. Durch die gezielte Unterstützung eines bestimmten Tierheims aber helfen wir nicht mehr nur Einzelschicksalen, sondern wir machen den Tierschützern vor Ort den Rücken frei, Dinge vor Ort zu verändern. Wenn sie sich nicht mehr finanziell von Monat zu Monat kämpfen müssen, nicht mehr konstant überbelegt sind, sodass keinerlei Kapazitäten bleiben, die über die tägliche Versorgung der eigenen Tiere hinaus gehen, können Aktionen und Projekte ins Leben gerufen werden, die nachhaltig sind: Besuche in Schulen zur Aufklärung und Sensibilisierung der nächsten Generation für den Tierschutz, Kastrationen von Straßenkatzen und nicht zuletzt die regelmäßige Übernahme von Hunden aus den Tötungsstationen. Und es macht einen großen Unterschied, ob wir als Deutsche einzelne Hunde aus einer spanischen Tötungsstation übernehmen oder ob wir dabei helfen, dass sich ein Tierschutz-Netzwerk vor Ort etabliert, das dann tatsächlich etwas verändern kann. Auf diese Weise ist es in der Vergangenheit an anderer Stelle in Spanien gelungen, staatliche Tötungsstationen in wirkliche Tierheime umzuwandeln, in dem nicht mehr getötet, sondern nur noch adoptiert wird. Ein unglaublicher Erfolg!

So etwas kann aber nur vor Ort entstehen, indem wir Menschen unterstützen, die den richtigen, verantwortungsvollen Weg gehen: Aufklärung, Kastration, Nachhaltigkeit, Zusammenarbeit mit anderen Tierschützern. Und kein schneller Export der Hunde nach Deutschland, ohne dass sich vor Ort jemals irgendetwas verändert. Wir können nicht alle Hunde aus Spanien, Griechenland, Italien, Rumänien … nach Deutschland holen. Und es gibt genau so gute Adoptivfamilien in Spanien, wie es schlechte in Deutschland gibt. Wir vermitteln Hunde aus Berga nach Deutschland, aber noch mehr freuen wir uns über eine gute Adoption vor Ort, denn das ist der Weg der Zukunft: Ein verändertes Bewusstsein der Bevölkerung, ethisch vertretbare Gesetzgebungen zur Lösung der Streunerproblematik, die Umwandlung der Tötungsstationen in wirkliche Tierheime. Deshalb wird bei uns eine (gute) spanische Adoptivfamilie immer den Vorzug gegenüber einer (ebenfalls guten) deutschen Familie erhalten. Es wäre ja absurd, einen in der Entstehung befindlichen, höchst positiven Umdenkungsprozess zu torpedieren, in dem wir die Hunde nach Deutschland holen, die auch in Spanien eine Chance hätten. Das würde letztlich nur dazu führen, dass potenzielle spanische Adoptivfamilien doch wieder den Weg in den Zoofachhandel nehmen – und genau das möchten wir schließlich ändern.

Das Schönste, was passieren könnte, was wir uns am meisten wünschen, ist dass unsere Arbeit eines Tages nicht mehr nötig sein wird und jedes europäische Land seine Tierschutzproblematik vor Ort nachhaltig lösen kann – und zwar nicht durch Massentötungen ausgesetzter Haustiere, für die wir Menschen mit der Domestizierung die Verantwortung übernommen haben.

Bis dahin ist es noch ein weiter, steiniger Weg, den wir gemeinsam mit dem Tierheim Berga gehen werden – möchten Sie ihn ein Stück mit uns gehen?